Torso

Halbtorso Frigg

 

 

 Andrea Kreipe

 

Frigg, die Gattin Odins, ist eine Figur aus der germanischen Mythologie. Aber was hat hat sie mit dem Walberla, mit der Ehrenbürg, zu tun?

Andrea Kreipe, geboren 1957, Bildhauerin aus Böbing bei Weilheim in Oberbayern, hat sich von einer der vielen Sagen, die es rund um die Ehrenbürg gibt, inspirieren lassen: „Der Göttervater Wotan, auch Odin genannt, ist der Wilde Jäger, der in den Sturmnächten um die Jahreswende sein Unwesen auch auf der Ehrenbürg treibt. Dann kommt er mit seinem Wilden Heer mit wildem Geschrei auf die umliegenden Dörfer herab, fetzt durch die Häuser, durch die Wirtschaften, zur Vordertüre hinein und hinten wieder hinaus.“

 

Und so beschreibt Andrea Kreipe ihre Intention: „Wenn Odin mitsamt einem Heer von Schlafenden und Verstorbenen über den Berg stürmt, begleitet ihn seine Gemahlin Frigg. Von ihr sagt man, sie habe die Wolken gewebt. In einer Bronzefigur möchte ich ihr Gestalt geben, in all ihrer Flüchtigkeit, der Auflösung des Körpers wie in einer Vision, die nur kurz sichtbar wird, bevor sie sich in der Umgebung auflöst.“

So wird auch klar, warum die Künstlerin für die Figur die Kunstform des Torso wählt, galt doch schon seit der Kunst der Antike der Torso als Symbol der Vergänglichkeit, der Flüchtigkeit des Augenblicks – auch überwältigende Schönheit ist nicht von Dauer.

Wenn wir uns die von Linien und Falten durchzogene Struktur des Bronzegusses genauer betrachten, erinnert diese an das Gewebe der Wolken. Der angedeutete Tierkopf an einer Schulter symbolisiert Friggs Mut, nicht zu Hause hocken zu bleiben, sondern mit dem „Wilden Heer“ über die Ehrenbürg zu ziehen, und über den Sockel lappt noch ein Stück ihres Kleides.

Auch der Sockel ist etwas ganz Besonderes und von Andrea Kreipe bewusst gewählt: Er besteht aus Travertin, also Süßwasserkalk, im Gegensatz zu den im Hintergrund aufragenden Dolomitfelsen des Walberla, die ihren Ursprung aus Schwammriffen und Ablagerungen des Jurameeres haben, das sich hier vor 200 bis 140 Millionen Jahren ausbreitete.

 

Der Standort gibt nicht nur den Blick frei über ein Feld mit „Wilder Karde“ auf die Felsen, sondern auch auf die Abflugschneise der Gleitschirmflieger, die, wenn sie in den Lüften kreisen, durchaus Assoziationen an das „Wilde Heer“ wecken.

Noch einige Sätze zu Andrea Kreipe: Studium der Bildhauerei als Meisterschülerin in München, Aufenthalte in den USA und neben freier Arbeit vielfältige Aufträge für den öffentlichen Raum und Sakralbauten.  Sie ist nicht nur mit vielen Preisen ausgezeichnete Bildhauerin, sonder auch engagiert im Kulturleben ihrer Heimatregion. So hat sie den Weilheimer Skulpturenweg „Von der Stadt bis an die Ammer“ initiiert und ist Vorsitzende des Fördervereins „Musik im Pfaffenwinkel“ und aktive Sängerin im „Chor im Pfaffenwinkel“ mit regelmäßigen Auftritten u.a. in der Wieskirche.

 

Weitere Informationen zu Andrea Kreipe:

www.andrea-kreipe.de

 

 

 VITA

 

1957 *
1990 Studium der Bildhauerei in München/Meisterschülerin bei Prof. Ladner. Diplom mit Auszeichnung. Aufenthalt in den USA  
2013 Kuratorin für „Kunststationen“ Fischerbau Polling 
2014 Kuratorin für „1200 Jahre Wessobrunner Gebet“ 
2015, 2017 und 2019 Messeleitung „Kunstmesse Weilheim“, Neben der freien Arbeit etliche Aufträge für den Öffentlichen Raum und Sakralbauten / Mitglied des BBK München und OBB / Vertreten durch  die Galerie Frey in Germering. Georg Petel Preis der Stadt Weilheim i. OBB.  
 
Öffentlicher Raum (Auszüge): 
2020 Mahnmal gegen Gewalt an Frauen Bonn 
2018 Vortragekreuz in Bronze Pfarrkirche Böbing
2018 Taufschale in Bronze für historischen Taufstein der Gemeinde Bad Boll Gedenkstele für die vertriebenen der deutschen Ostgebiete, Kalkstein und
Bronze in Weilheim
2009 Steinskulptur für den Skulpturenweg am Blomberg
2001 „Geschichtsband“ aus Bronze für die Stadt Weilheim
1990 Christopherus für die Fassade der Kirche Markt Schwaben

Ausstellungen (Auszüge): 
2021 Virtuelle Jahresausstellung mit der Münchner Künstlergenossenschaft
2021 „Künstlerbücher“ Stadtmuseum Weilheim
2020 „Vier“ Orangerie München
2019 „Neue Arbeiten“ Galerie Benzenberg Tutzing „Wenn ich den See seh“ Blaues Haus Dießen
2018 Teilnahme an der ARTMUC München „Wachgeküsst“ Industriekultur Villa Streccius Landau i.d.Pfalz
2017 „Föhn im Tannheimer Tal“ Österreich „Aktuell“; BBK Ingolstadt
2015 „Große Kunstausstellung“ im Sommerkeller Bernried 
2015 „Verdichtung und Auflösung“ Künstlerhaus München
2014 „1200 Jahre  Wessobrunner Gebet“ Kloster Wessobrunn
2013 „Das kleine Format“ Blaues Haus Dießen 

 

 WEITERE SKULPTUREN