Erdschneid

Erdschneid

 

 

 Karl Maurer

 

Karl Maurer, 1956 in Augsburg geboren, lebt und arbeitet als freischaffender Bildhauer im Ostallgäu.

Der Bezug dieses mächtigen Kunstwerkes aus Cortenstahl (Corrosion Resistance and Tensile Strength, der Stahl corrodiert nur an der Oberfläche) zur Ehrenbürg erschließt sich vielleicht erst auf den zweiten Blick. So beschreibt Karl Maurer seine Intention:

„ Meine Wortschöpfung „Erdschneid“ steht für Pflug, wobei die Form auch an ein Beil erinnert. So bezieht sich  meine Skulptur auf die keltische Besiedelung der Region um die Ehrenbürg und die Voraussetzungen dafür; nämlich die Urbarmachung des Landes, das Roden und Pflügen. So wurde Ackerbau erst möglich, z.B. an den Hängen der Ehrenbürg und somit die Ansiedelung auf dem geschützten Plateau des Walberlas.“

 

Die Ehrenbürg war schon lange  vor den Kelten Siedlungsraum. Das zeigen Funde aus der Jungsteinzeit um 4000 v.Chr.. Eine erste befestigte Höhensiedlung lässt sich ab 1400 v.Chr. nachweisen. Aus dieser Zeit stammen eindrucksvolle Funde wie Bronzebeile und Bügelfibeln. Entdeckt wurden auch Halbfabrikate und Gusstiegel, die auf Werkstätten zur Bronzeherstellung schließen lassen.

 

Aus dieser „Jungen Bronzezeit“ stammen auch die Hügelgräber, die in Kirchehrenbach im Fichtich (Waldstück beim TSV-Sportplatz) gefunden – und leider geplündert – worden sind.

Die Besiedelung der Ehrenbürg durch die Kelten begann um 550 v.Ch.. Vergleichbar mit der Siedlung am Staffelberg gab es starke Befestigungsanlagen aus Steinwällen mit Holzpalisaden und zwei Toren.

Bis etwa 380 v.Chr. war die Ehrenbürg dicht bebaut, was an die 10.000 lokalisierte Kellergruben bezeugen. Die damals wichtige Stellung der Ehrenbürg wird durch die vielen Funde von Keramik, Eisengeräten und besonders Fibeln und Bronzeschmuck von hoher Qualität deutlich. Auch zahlreiche Gegenstände aus dem Mittelmeerraum wie Scherben eines griechischen Glasfläschchens oder Teile von Bronze- und Keramikkannen, wie sie in Norditalien hergestellt wurden und die wohl dem Weintransport dienten, wurden ausgegraben. Dies lässt auf weitreichende Handelsbeziehungen der Kelten schließen.

Fundplätze in der näheren Umgebung der Ehrenbürg repräsentieren kleine bäuerliche Gehöfte, deren wirtschaftliche Basis die hohe Qualität der Böden im Wiesenttal und im Regnitztal bildeten, so dass sie in der Lage waren, die Bewohner der Ehrenbürg mit Getreide und Fleisch zu versorgen. In einigen ausgegrabenen Kellergruben auf der Hochfläche fand man neben Getreideresten auch Knochenteile von Rind, Schwein, Schaf und Ziege. Das bedeutet, dass die Tiere von den umliegenden kleinen Gehöften heraufgebracht werden mussten, da es innerhalb der Mittelpunktsiedlung keinen Platz für intensive Tierhaltung gab.

Im 4. Jhdt v.Chr. räumten die Kelten den Berg und zogen nach Norditalien (Gründung Mailands) und noch weiter in südliche Regionen,

Die Franken besiedelten unsere Gegend wohl ab dem 7. Jhdt. n.Chr. vom Königshof Forchheim aus. Erste schriftliche Erwähnung einiger Dörfer rund um die Ehrenbürg geschieht im Jahr 1007 in der Schenkungsurkunde Kaiser Heinrichs II.

So verführt uns die Skulptur „Erdschneid“ zu einer Zeitreise  durch die Siedlungsgeschichte auf und um die Ehrenbürg.

 

Weiter Informationen zu Karl Maurer:

www.kunstinschwaben.de/mitglieder/listing/karl-k-maurer/

 

 

 VITA

 

1956 * Augsburg
1974-86 Lehr und Ausbidungszeiten inkl. Praktikas  im Holz, Stein u. Stahlbereich
seit 1987 freischaffend tätig im Ostallgäu Skulptur, Architekturplastik
seit 1992 Kunst und Bauen
Diverse einzel u. Gruppenaustellungen
seit 1994 Gotische Zyklen z. B. Modelle zum gotischen Jahr in Köln 1998

Preise: Rupert  Gabler Kulturpreis, Thomas Dachser Gedenkpreis, 
Kunstpreis der Stadt Gersthofen u. a.
Bayrisches Atelier – Stipendium 

 

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