Die gute Hexe

Dieter Erhard
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Wenn man sich dieser Skulptur nähert, wirkt es fast so, als wolle sie im nächsten Moment losfliegen.
Dieter Erhards „Die gute Hexe“. Ein Wesen aus Stahl – freundlich, verspielt – und zugleich mit einer langen Geschichte verbunden.
Dieter Erhard, 1961 in Nürnberg geboren, ist ein Künstler, dessen Arbeiten heute an vielen Orten der Welt zu finden sind.
In Forchheim begegnet man ihnen in der Wohnanlage des ehemaligen Redemptoristenklosters, in Tennenlohe sogar in einem eigenen Skulpturenpark.
Sein Kunststudium führte ihn nach Mexiko; sein Engagement in Südamerika brachte ihm die Ehrenmitgliedschaft beim Rotary Club Guatemala Norte ein.
Die Hexe selbst besteht aus rund 1200 geschweißten Edelstahlteilen.
Einige glänzend neu, andere stammen aus alten Pumpengehäusen – ein lebendiges Spiel aus Formen und Materialien.
Ein Betonkegel im Inneren stabilisiert die Figur, damit sie sicher auf ihrem Besen sitzt.
Und vielleicht möchten Sie es ausprobieren: Dreht man am Ring auf ihrer Brust, soll sich ein Wunsch erfüllen.
Warum aber eine Hexe auf der Ehrenbürg?
Seit Jahrhunderten ranken sich Sagen um diesen Ort. Das Walberla galt lange als Hexentanzplatz – ein Berg, an dem man die Grenze zwischen dieser Welt und der nächsten besonders dünn wähnte.
Aus heidnischen Frühlingsritualen entwickelte sich später das Walberlafest am 1. Mai. Mit der Christianisierung änderten sich die Erzählungen: Die Heilige Walburga wurde zur Schutzfigur. Man glaubte, sie habe die Dämonen des Berges gezwungen, beim Bau der Kapelle zu helfen – und ihnen als Ausgleich eine einzige Nacht voller Freiheit gewährt: die Walpurgisnacht.
Schutz vor diesen Dämonen erhofften sich die Dorfbewohner von der Heiligen Walburga.
Doch besonders rund um die Walpurgisnacht setzten sie auch auf eigenen Schutz:
Sie malten Kreuze an Türen und Stallungen, legten Holunderzweige aus, besprengten Felder mit Weihwasser und stellten überkreuzte Besen oder Rechen an die Stalltüren – kleine Zeichen gegen das Unheimliche der Nacht.
Zur Geschichte gehört jedoch auch ein dunkles Kapitel:
Zwischen 1612 und 1630 wurden im Bistum Bamberg 880 Menschen der Hexerei beschuldigt und hingerichtet – eine Mahnung, wie gefährlich Angst und Aberglaube werden können.
Und so steht Erhards „gute Hexe“ heute hier: heiter, offen – und als freundliches Gegenbild zu all dem Dunkel der Vergangenheit. Vielleicht sogar als Einladung, das Staunen nicht zu verlieren.